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Es war einmal...

...eine Diskothek in Bielefeld, die über die Stadtgrenzen hinaus für Konzert- und Disco-Veranstaltungen bekannt war.

Das PC69 befand sich am Rande der Bielefelder Innenstadt, Werner-Bock-Straße, Ecke Am Stadtholz. Gegenüber liegt die Anfang der 1990er Jahre gebaute Seidensticker-Halle.

Geschichte
In der ehemaligen Lackiererei-Halle eines Bielefelder VW-Autohauses eröffnete am 8. September 1984 das "PC69" als Konzert- und Discoveranstaltungszentrum seine Türen. Ab dem Jahr 2000 gab es Gerüchte, dass das PC69 schließen müsse, da der Mietvertrag nicht weiter verlängert werden solle. Das Autohaus plante eine Erweiterung. Die Schließung des PC69 erfolgte am 25. Oktober 2003, zuvor gab es mit „Der letzte Abend“ eine Abschiedsparty. Der Abriss des Gebäudes war im Juli/August 2005.

Der Betrieb ging ab 31. Oktober 2003 in dem neu eröffneten "Ringlokschuppen" wenige hundert Meter vom alten Standort weiter. Im Oktober 2010 gab es - sieben Jahre nach Schließung – ein PC69-Revival-Wochenende in der nahe gelegenen Hechelei im Ravensberger Park. Diese Veranstaltung findet dort inzwischen halbjährlich statt.

Disco-Veranstaltungen
Der Freitag gehörte traditionell dem "Going Undergrund" mit den Musikrichtungen EBM, Industrial, Gothic und Dark Wave. In den ersten neun Jahren gehörte auch der Mittwoch mit einem Charts-Programm zum festen Bestandteil der Disco-Veranstaltungen im PC69. Herausragend waren Disco-Specials wie die "Depeche-Mode-Party" und die "NDW-Party". Von 1997 bis zur Schließung zählte die jeden ersten Samstag im Monat stattfindende "PC69 Party – So wie es damals war" zu den Publikumsmagneten. Das Programm dieser Veranstaltung war ein Revival des PC69 selbst und umfasste Hits aus den 1980ern und 1990ern, die zu der Zeit dort Teil diverser Programme waren.

Konzerte
Im Bielefelder PC69 traten viele internationale Künstler zu Konzerten auf, selbst wenn sie ansonsten nur wenige Auftritte in Deutschland hatten. Dazu zählten z. B. Oasis, Ziggy Marley, Motörhead, Iron Maiden und Marillion. Aber auch nationale Größen, wie Herbert Grönemeyer, Klaus Lage, Alphaville, Marius Müller-Westernhagen und Ina Deter waren zu Gast. Große Bedeutung hatte diese Konzerthalle auch für viele Bands mit Wurzeln im sog. Independent-Bereich, die hier durch die Kapazität von über 2000 mögl. Konzertbesuchern ein großes Publikum erreichen konnten. Nennenswert sind hier The Pixies, The Invisible Limits, New Model Army und auch Die Toten Hosen. In den 19 Jahren, die das PC69 bestand, summierte sich so die Anzahl aller Konzerte auf über 800. Die Dubliners kamen fast jedes Jahr und waren mit 17 Konzerten Spitzenreiter. Weitere "Dauergäste" waren z. B. Die Ärzte (12 Konzerte) und Phillip Boa (7 Konzerte).

Quelle: Wikipedia

BST's-Blog

So war das damals im PC69 Bielefeld...

Gut 25 Jahre nach der Eröffnung bzw. sieben Jahre nach der Schließung der Diskothek PC69 in Bielefeld kommt das Thema wieder hoch: Am 22.01. und 23.10.2010 findet das erste "richtige" PC69-Revival-Wochenende in Bielefeld, unweit des Original-Schauplatzes statt. Es wird genau deshalb das erste "richtige" Revival, weil zum ersten Mal versucht wird, ein echtes PC69-Feeling zu vermitteln. Deshalb bin ich auch sehr glücklich darüber, dass im Vorfeld die Nutzungsrechte an dem Namen der ehemaligen Disco für diese Party vertraglich geregelt werden konnten. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiges Detail in der Summe. Hinzu kommt natürlich eine Besetzung mit Original-DJs an beiden Tagen und ein stimmiges Abbild des Freitags- und Samstags- Programms.

An diesem Wochenende werde auch ich das Vergnügen haben, das Musikprogramm mit zu gestalten. Zusammen mit DJ Thorsten, der im PC69 für das Samstags-Thema "Alternate-State" verantwortlich war, werde ich Klassiker aus meinem damaligen Programm, die "PC69-Party", auflegen. Wenn ich auf die vielen Jahre zurückblicke, in denen ich als DJ tätig war, muss ich schon sagen, dass mir dieses Thema mit am meisten Spaß bereitet hat. Aber auch andere Themen, die ich im PC69 damals bearbeitet habe, waren klasse! Das liegt aber sicherlich an dem Gesamtkonzept der Diskothek, das eben auch klasse war.

Mit Thorsten zusammen habe ich auch am 25.10.2003 den "Letzten Abend" aufgelegt. Schöne Erinnerungen! Das letzte Lied, das an diesem letzten Abend im PC69 lief, war übrigens von Soft Cell: Say Hello, Wave Goodbye. Ich denke mal, das wird auch beim Revival wieder das letzte Lied werden. Oder das erste...?

Stimmiger Weise greifen wir bei der Revival-Party auch den Slogan "so wie es damals war..." auf, der 1997 als platter Spruch der PC69-Party angehängt wurde. Zu der Zeit gab es nämlich bereits viele Gäste, die der alten (damals also noch älteren) Zeit hinterher getrauert haben und so wurde dieser Halbsatz zum geflügelten Wort. Es war dann nur noch konsequent, diesen Slogan der PC69-Party anzuhängen, denn das war ja genau die Idee dahinter: Ein Revival der alten Zeiten.

Als Erinnerung habe ich mir damals ein Plakat von der ersten PC69-Party aufgehoben, die 1997 zunächst als Testballon für dieses neue Thema an Weihnachten lief. Daher ist auf diesem Plakat kein separater Datum-Streifen aufgeklebt, sondern dies direkt mit aufgedruckt. Später wurden die Plakate gelb, noch später wurden sie etwas modernisiert und hatten einen gestalteten Hintergrund.

Quelle: Bernd Szarkowski-Tegtmeier

Liste aller Konzerte und Gigs im PC69 Bielefeld

Tom Alby (Kellner im PC)

Erinnerungen von Tom Alby…
Das PC69 in Bielefeld: Geschichte und Fotos

Der Anfang
Das PC 69 öffnete am 8. September1984 das erste Mal seine Tore. Fast 20 Jahre hielt sich das PC, und es ist nicht auszuschließen, dass die Eröffnungsgäste eine Generation später ihre Kinder aus dem PC abgeholt haben.

Auch über die Grenzen Bielefelds und Ostwestfalens hinaus war das PC bekannt, hier traten Bands auf, die neben Bielefeld nur noch zwei oder drei andere Stationen in Deutschland beehrten. Viele Bands kamen gerne wieder, da sie sich sehr gut von den Leuten des PC-Konzertbüros betreut fühlten.  Es wurden auch Bands gebucht, die kaum jemand kannte, einfach nur weil die Veranstalter sie gut fanden. So konnte ich Rammstein und auch Hubert von Goisern & die Alpinkatzen vor einer Handvoll Leuten sehen. Ein Jahr später spielten sie am gleichen Ort vor ausverkauftem Haus. Eine fast vollständige Liste der Künstler, die im PC aufgetreten waren, ist weiter unten zu finden. Viele Bands sind mehrmals aufgetreten, zum Beispiel die Dubliners, Die Ärzte, Die Toten Hosen oder auch Pur.

Der Grufti-Freitag wurde von Gästen besucht, die zum Teil mehrere Stunden Fahrzeit in Kauf nahmen (so besuchten sich Fraggles aus Bochum und aus Bielefeld gegenseitig).

Das PC war also mehr als nur eine Dorfdisco. Gab es zuvor “nur” die für klassische Konzerte verwendete Oetkerhalle, so dass die großen Bands stets einen Bogen um Bielefeld machten, gab es mit dem PC 69 endlich eine Halle, die für richtige Rock-Konzerte mit 1.500 Besuchern geeignet war. Discotheken gab es auch andere, zum Beispiel den Circus und das Sams (das es immer noch gibt… da hatte ich in den 90ern auch mal gearbeitet und zwar mit Jochen Chudzik, dem früheren Zapfer und späteren Geschäftsführer der legendären Badewanne, für die ich aber zu jung bin um sie noch besucht zu haben; Jochen ist leider schon verstorben), aber die hatten eine andere Klientel. Der Name PC69 hatte übrigens angeblich keine besondere Bedeutung, auch wenn es hierum immer wieder Gerüchte gab. Einer der Gründer erwähnte mir gegenüber, dass die Popularität der Personal Computer jedoch einen Einfluss gehabt habe.

600.000 Mark kosteten angeblich die Umbauten von der Werkshalle von Wehmayer & Castrup in eine Discothek, 100.000 Mark wurden allein in die Lärm- und Brandschutzvorrichtungen investiert. Die Innenarchitektur wurde von Albert Krewerth gestaltet, Vorbild war die Fabrik in Hamburg, die es heute noch gibt. Kurz nach der Eröffnung gab es schon Stress wegen der parkenden Autos, die angeblich die Feuerwehr behinderten. Kommunalpolitiker regten sich darüber auf, dass eine Discothek mit so wenig Parkplätzen eröffnete (und bauten Jahre später gegenüber die Seidenstickerhalle, die noch viel mehr Leute fasste, aber auch nicht mehr Parkplätze bieten konnte).

Zu Beginn hatte das PC 69 sogar tagsüber geöffnet. Besonders gut lief der Betrieb tagsüber aber nicht, so dass bald nur noch abends geöffnet wurde. Das Konzertbüro übernahm Gerd Reiche, der später einen anderen Kult-Laden in Bielefeld eröffnete, das Elfenbein (welches angeblich auch nicht mehr in Bielefeld existiert). Gleich zu Beginn waren große Bands zu Besuch, der gerade erst richtig berühmt gewordene Herbert Grönemeyer und kurz danach Icehouse, die zu dem Zeitpunkt in den Charts waren.

Der Kult
In den 80ern und bis Mitte der 90er war das PC 69 am Wochenende so voll, dass ab 24 Uhr, manchmal sogar schon früher, lange draußen gewartet werden musste, bis man herein kam, denn wenn die Halle zu voll war, dann kam nur noch jemand rein, wenn jemand anders rausging. Auch Mittwochs war es meistens voll, wenngleich nicht so lange.

Das PC zog auch, mit Verlaub, Randgruppen an: Waver (Fraggles, Grufties), Ska-Fans, Rockabilies, Psychos, etc. Alle waren am Samstag anzutreffen, und nicht selten gab es eine Schlägerei draussen vor der Tür und manchmal auch drinnen. Unvergessen der Samstag, als die Waver einen Sitzstreik auf der Tanzfläche veranstalteten, um gegen die Musik zu protestieren und aufgrund dessen dann den folgenden Samstag nicht rein durften.

Der Mittwoch war die “kleine” Version des Samstags, schließlich konnte man in der Woche nicht so lange wegbleiben, und die Musik war etwas tanzbarer. Mittwochs waren außerdem britische Soldaten häufige Gäste, und schnell lernte man (bis auf die britischen Soldaten), dass die MPs (Military Police) erst zuschlug und dann fragte, was eigentlich los sei. Das PC-Personal hatte angeblich eine spezielle Nummer, um die MPs zu rufen. Mit Abzug der Truppen wurde der Mittwoch schlagartig leerer.

Kult war auch der Freitag mit DJ Hannes, der gerne auch mal ganze Plattenseiten spielte, wenn er Lust drauf hatte oder (angeblich) einfach ein Tape einlegte, wenn er keine Lust mehr hatte und nach Hause ging. Angeblich war er Tourbegleiter von Nick Cave, seine erste Single aber, so gab er in einem Interview mal zu, war “California Dreaming” von den Mamas und Papas. Legendär auch seine scheinbare Arroganz: Ich erinnere mich noch, als ich einmal den Namen einer Band wissen wollte, deren Platte er gerade spielte, und er lediglich sagte “Kenn ich auch nicht” (das Lied war Decades von Joy Division; eigentlich hatte ich die Antwort so auch verdient). Später wurde er von DJ Achim vertreten, denn DJ Hannes hatte sich für eine Zeit zurückgezogen. Jahre später traf ich ihn in der Wunderbar, wo wir zusammen frühstückten, ich ihm die Geschichte erzählte und er in Lachen ausbrach. Ich habe ihn wahnsinnig gern gemocht. Hannes Wagner ist am 31. Januar 2011 gestorben.

Der Samstag hatte dann für jeden etwas zu bieten. Wave, Grunge, Pop, Independent, Ska, alles dabei. Bei manchen DJs wusste ich schon fast auswendig, welches Lied nach welchem kam.

Es war (glaube ich) 1994, als eine Empore in das PC 69 gebaut wurde, so dass mehr Gäste in die Halle kommen konnten. Viel Geld wurde zur gleichen Zeit in die Lichtanlage gesteckt. Die Einweihung der Empore sowie der sonstigen Umbauten (das PC war bunter geworden) erfolgte (soweit ich mich erinnern kann) an einem Samstag zur 10-Jahresfeier. Ich erinnere mich noch, dass wir Freitag Abends normalen Betrieb hatten und dann danach um 5 Uhr morgens Gerüste aufgebaut hatten, um die Lichtanlage umzubauen.

Mitte der 90er wurden es immer weniger Besucher, der Mittwoch wurde eine traurige Veranstaltung, ein kurzer Versuch, den Donnerstag zu besetzen mit einem Rocker-Tag hatte auch keine Chance, und schliesslich wurde es auch noch Samstags leer, was nur noch durch Motto-Partys verhindert werden konnte. Zwischendurch wurde ein Stammgast beauftragt, die Haupttheke in der Halle neu zu gestalten, was zu einigen Irritation führte, denn nicht jeder mochte den Aliens-Stil.

Die Konkurrenz war größer geworden in Bielefeld, nicht weit vom PC hatte die Hechelei eröffnet, das Cafe Europa/Orfeu Negro konnte mit Techno-Musik Besucher anziehen, und das PC verlor immer mehr Gäste. Zeitgleich wurde das Eintrittsgeld angepasst. Statt 6 DM Eintritt, für die man 2 Getränke-Bons gab (die für 2 Biere ausreichten), kostete der Eintritt nun 8 DM und es gab einen Bon für einen komischen, selbst zusammen gewürfelten Drink. Nach üblen Protesten gab es dann auch ein Bier dafür, wobei das Bier im PC 69 nie besonders gemocht wurde, zumindest nicht das aus dem Zapfhahn. Als ich selber noch Gast war im PC hatte ich immer vermutet, dass jemand Wasser ins DAB-Bier pantscht, und es war das erste, was ich mir anschaute, als ich im PC anfing… aber da war nix, das Bier kam tatsächlich so aus dem Fässern. Die Parties (Neue Deutsche Welle etc) waren noch sehr erfolgreich, während das normale Geschäft immer mehr abnahm. Und wenn immer weniger Leute da sind, dann kommen eben noch weniger Leute.

Hinter den Kulissen des PC69 war die Welt nicht immer so bunt und erst recht nicht harmonisch, auch nicht, als es noch erfolgreich war, doch nur weniges gelangte in die Öffentlichkeit. Ich hatte nur einen Gerichtstermin mitgemacht, und da ging es um etwas anderes. Und mehr soll auch hier nicht erzählt werden.

Das Ende
Am 24. Oktober 2003 fand die letzte Party im PC69 statt. Schon in den 80er und 90er Jahren zuvor gab es Gerüchte, dass Wehmeier & Castrup die Halle irgendwann zurück haben wolle, was Quatsch war, aber aufgrund mangelnder Alternativen waren die Gerüchte besorgniserregend. Viele Jahre später war es dann soweit. Ein Teil der Mannschaft eröffnete den Ringlokschuppen, ein anderer Teil angeblich das Triebwerk (Quelle fehlt hier).

Mittlerweile ist die Halle, in der das PC69 war, abgerissen (das war im Spätsommer 2005, wie mir mehrere Besucher mitgeteilt haben) und bis dato ein Parkplatz. Von den alten Läden hat soweit ich weiß nur noch das Glashaus ab und zu für Konzerte geöffnet (das war neben dem Falkendom donnerstags oft die Ausgehdestination), und natürlich das Forum, obwohl ich dort seit dem Umzug aus Enger nur einmal auf einem Konzert war (Go-Betweens, Gott hab sie selig), nicht mehr auf einem Sonntag.

Über Tom
(in eigenen Worten)
Von 1990 bis 1997 war ich Kellner im PC69, einige Monate war ich zunächst Spüler (so hießen die Kollegen, die die Gläser eingesammelt und gespült hatten, ein Knochenjob, wenn es richtig voll war). Das Besondere an uns Kellnern war, dass wir eine Schaffnerkasse hatten, so dass wir unser Tablet nicht runternehmen mussten. Angeblich kostete so eine Kasse 700 DM, und da natürlich ständig Bier und Cola auf so eine Kasse kam, waren die Hebel oft verklebt. An guten Abenden hatte ich locker 1000 DM eingenommen, auch 2000 DM waren drin. Ein volles Tablett waren 60 DM (15 Getränke à 4 DM). Zwischendurch musste ich ins Büro, um Geld abzugeben. Die Kellner waren genau so wie die Barleute umsatzbeteiligt. Anfang der 90er bin ich oft mit 180 oder sogar 200 DM an einem Samstag Abend nach Hause gegangen, und das war unglaublich viel Geld. Dafür bin ich auch den ganzen Abend mit einem Tablett über meinem Kopf rumgelaufen. In 7 Jahren habe ich nur 1 Mal ein Tablett verloren - bei einem Heavy Metal-Konzert.

Außerdem hatte ich die ersten Internetseiten gestaltet und gehostet: Das PC69 war 1995 eine der ersten Discotheken im Netz (mit den späteren Domain-Streitigkeiten hatte ich nichts zu tun).

Nach einem Geschäftsführerwechsels tauchte mein Name irgendwann nicht mehr auf den Dienstplänen auf. Zuerst fühlte ich mich verletzt, aber gleich bei meinem ersten Kellner-Job außerhalb des PCs ergab sich ein Zufall, durch den das Internet das erste Mal zu einem richtigen Job für mich wurde. Im Nachhinein das Beste, was mir passieren konnte.

Wenige Monate vor dem Aus war ich ein letztes Mal für 30 Minuten dort, sprach mit den wenigen Leuten, die ich noch kannte, und habe mich leise verabschiedet. Kurz darauf bin ich nach Hamburg gezogen.

Kurz vor der Schließung des PC69 wurden einmal alle Konzerte zusammengesucht, die jemals dort statt gefunden haben. Diese Liste habe ich nach der Schließung mit den letzten mir noch geläufigen Konzerten ergänzt und aufbewahrt. Sie zeigt einen guten Querschnitt durch die Zeit des Bestehens und enthält alle Konzerte, die im Nachhinein noch "gefunden" wurden bzw. nachweisbar waren. Sicherlich fehlt auch noch das eine oder andere. Sie enthält aber in dieser Version bereits über 800 Konzerte.

Quelle: Tom Alby

Aus der Presse...

Von Thomas Günther (Neue Westfälische)
26.08.2014

Der Name hatte eigentlich keine Bedeutung, erwarb sich aber im Laufe der Jahre einen großen Klang. Am 8. September 1984, eröffneten Siegfried "Nobby" Drescher, Heinz Jürgen Schürmann und Michael Minz in der umgebauten Lackierereihalle der Firma Wehmeier & Castrup an der Werner-Bock-Straße, Ecke Stadtholz, eine Disco- und Konzerthalle. Sie nannten sie: "PC 69".

Drescher sagte kurz nach der Eröffnung: "Wir haben diese Bezeichnung gewählt, weil wir in der heutigen Zeit doch mit so vielen Abkürzungen und Formeln leben müssen." Das PC stieß in eine Marktlücke, denn Freunde von Rock-, Pop- und Wavemusik mussten in Bielefeld meist in die Röhre schauen. Die Oetkerhalle stand nicht allen Musikschaffenden offen und die Stadthalle gibt es erst seit 1990, die Seidensticker-Halle seit 1993.

Das PC sollte eine Mischung sein aus Bochumer "Zeche" und Hamburger "Fabrik". Der Konzertsaal im Gewerbegebiet wurde zur Bühne für die Stadt. Die Auftrittsliste liest sich wie das Who-is-Who der internationalen und nationalen Musikgrößen. Die Beatles waren nicht da, auch nicht die Rolling Stones, aber sonst fast alle.

Das PC wurde über die Grenzen Bielefelds und Ostwestfalens bekannt, denn dort traten Bands auf, die neben Bielefeld nur noch zwei oder drei andere Stationen hatten. 1.500 Besucher fanden Platz.

Den Anfang am 11. September 1984 machte die australische Band "Icehouse" ("Hey little Girl", "Streetcafé"). In den 90er Jahren, in denen das PC bestand, summierte sich die Anzahl der Konzerte auf mehr als 800. Die Dubliners kamen fast jedes Jahr und waren mit 17 Auftritten absoluter Spitzenreiter. Weitere "Dauergäste" waren "Die Ärzte" mit zwölf Konzerten oder Phillip Boa mit sieben. Große Bedeutung hatte die Halle auch für Bands mit Wurzeln im so genannten Independent-Bereich. Nennenswert sind hier die Pixies, The Invisible Limits oder New Model Army. Das letzte Konzert war im Oktober 2003 mit der Band "Suicide Commando".

Von 1984 bis 1985 war Gerd Reiche für die musikalischen Veranstaltungen zuständig. Er managte anschließend das "Elfenbein" in Bielefeld. Danach übernahmen Marcus Huelsewede und Michael Minz im PC das Buchen der Bands. Marcus Huelsewede machte sich 1995 selbstständig. Sein Bruder Chris übernahm und war von da an bis zum Schluss zuständig für das Booking.

Geschäftsführer war Christoph Froese. Er wurde abgelöst von Petra Minz, Ehefrau von Michael Minz. Sie war zuständig für die letzten vier Jahre, von 1999 bis 2003.

Ab dem Jahr 2000 gab es Gerüchte, dass das PC schließen würde, weil der Mietvertrag nicht verlängert werden würde.

Das VW-Autohaus Glinicke aus Kassel übernahm Wehmeier & Castrup und hatte mit dem Gelände andere Pläne. "Ab 2001 haben wir einen anderen Ort gesucht", sagt Petra Minz. Die Bedingungen hatten sich geändert und das PC hat Konkurrenz bekommen. Zum Beispiel die Seidensticker-Halle direkt gegenüber. Am 25. Oktober 2003 wurde das PC geschlossen. Im Oktober 2003 eröffnete Petra Minz und ihre Mannschaft wenige hundert Meter entfernt den Ringlokschuppen. Der Abrissbagger für das PC kam im August 2005. Die Beileidsbekundungen stehen heute auf Facebook. Ein "Black Hornet" bekennt: "Oh Mann, ich habe Pippi inne Augen. Ich trauere dem PC noch immer hinterher." Sven Perlick hat eher kulinarische Erinnerungen: "War ’nen geiler Schuppen. Da konnte man noch hackendicht leckere Pizza essen." Anita Jungk meint: "Ich war so traurig, als das PC schließen musste! War einfach der coolste Laden in Bielefeld." Und Anita Benders gibt zu: "Ohne das PC wäre ich heute nicht ich. Unvergessene Zeiten. Mittwochs zu den Newcomer-Konzerten, freitags die Schuhe zertanzt und samstags bis das Licht anging."

Wer's ertragen kann - Bilder vom Abriss auf YouTube >

Bilder von den Abrissarbeiten des legendären PC 69 in Bielefeld gegenüber der Seidenstickerhalle. Die Bilder entstanden in der Zeit vom 02.08.2005 bis 08.08.2005. Das PC 69 war von 08. September 1984 bis 25. Oktober 2003 geöffnet. Höhepunkt waren die 80er und 90er Jahre. Die Vielfalt der Musikrichtungen (EBM, Pop, Dark Wave, Gothic, Rock, etc) war das Erkennungszeichen des PC 69. Der Betrieb ging ab 31. Oktober 2003 in dem neu eröffneten Ringlokschuppen weiter. Der Ringlokschuppen befindet sich in unmittelbarer Nähe an der Stadtheider Strasse (Auch die Ausstieghaltestelle der Stadtbahnlinie 2)

Zugabe

Ein Abstecher in die "Badewanne"

So famos waren die Abende in Bielefelds Kult-Disco "Badewanne"
Revival-Party: Im "Movie" erinnert Willi Teuber am Samstag erneut an die bekannte Disco der 1970er Jahre. Auch der ehemalige DJ Eliseo wird noch einmal auflegen.

Bielefeld. Die "Badewanne" können langjährige Bielefelder Disco-Gänger einfach nicht vergessen. Als im November 1971 der Underground-Schuppen an der Teichstraße seine Tür öffnete, strömten Gäste aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in das Lokal und tanzten dort nach hausgemachter Rockmusik.

Wenn Discjockey Hannes Wagner oder sein Kollege Eliseo Ingravalle "Station to Station" von David Bowie, "Riders in the Storm" (Doors), "Love is a Drug" (Roxy Music) oder "White Punks on Dope" (The Tubes) auf den Plattenteller legten, wurde es eng auf der erhöhten, runden Tanzfläche.

An der Bar schenkte der Zapfer und spätere Geschäftsführer Jochen Chudzik den Gästen ein. Am besten liefen Bier und Persico, der damals beliebte Pfirsichlikör.

Als Klaus Meine (Scorpions) sich verletzte

Gruppen wie "Birthcontrol", "Kraan" oder "Ufo" gaben in der "Badewanne" ihre Konzerte, bevor sie sich in der Rockszene einen Namen machten. Auch Klaus Meine mit den "Scorpions" standen dort kurz nach der Eröffnung auf der Bühne. Eine Narbe erinnert den Musiker bis heute an diesen Auftritt. Beim Sprung von der Bühne fiel ihm ein Gegenstand von der Decke auf den Kopf. Meine kam ins Krankenhaus, wo Ärzte seine Wunde vernähten.

Ein Gast der frühen Jahre war Willi Teuber. Der damals 16-Jährige trampte an den Wochenenden von seinem Heimatort Oerlinghausen nach Bielefeld, um an der Teichstraße abzufeiern – und sich nebenbei auch nützlich zu machen. „Ich machte damals meine Elektrikerausbildung und war von der Ton- und Lichttechnik in der Disko fasziniert“, erinnert sich der 62-Jährige. „An denen habe ich immer gern herumgebastelt.“ Später ist Teuber gelegentlich als Aushilfs-DJ eingesprungen.

Abriss der Kultdisko
Als sich die Nachricht vom bevorstehenden Abriss der Kultdisko herumsprach, war das Entsetzen groß. 1.600 Wanne-Gänger zelebrierten am 3. November 1980, 14 Tage bevor die Bagger anrückten, eine gigantische Trauerparty. Am 10. Oktober 1996 trafen sich Hunderte wieder – zur ersten von Willi Teuber veranstalteten Revival-Party in der Hechelei. Das Haus war ausverkauft, deshalb fand wenig später eine zweite Feier statt.

Jetzt heißt es wieder für einen Abend: Abtanzen wie damals in der „Wanne“. Am Samstag, 8. April 2017 ab 20 Uhr legen DJ Eliseo und Willi Teuber im Movie-Event-Café am Bielefelder Bahnhof Vinyl auf, Musik aus der legendären Underground-Disko. Titel wie „My Time, Your Time“ von Straight Shooter sind darunter und Stücke von Alan Parsson. Mehr will Teuber noch nicht verraten.